Dezember 16, 2007...9:53

Die Grenze die nicht öffnen will

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Wenn in der Nacht vom 20. zum 21. Dezember an der Grenze zwischen Deutschland und Polen die Kontrollen fallen, also, ab Freitag 00:00 MEZ wird Polen Mitglied von „Schengenlandia“, dem auserwählten Klub europäischer Länder, sein. Dann sind die Grenzen endlich offen, überall?

Nein, nicht ganz überall.
Mitten im Wald, irgendwo fast auf der Mitte dieser nur etwa 140km Landgrenze zwischen Deutschland und Polen führen zwei Sackgassen zueinander. Die Landesstrasse in Deutschland, ausgebaut und beschildert führt bei Hintersee im Vorpommerschen bis an die Grenze und die Woiwodschaftstrasse aus Szczecin kommend tut das selbe. Beide Strassen sind vorzüglich ausgebaut, die letzten Meter Asfalt werden am Donnerstag, 20.12. um 11:00 durch den Verkehrsminster Mecklenburg-Vorpommerns Dr. Ebnet dem Verkehr übergeben – bis zur Grenze. Auch in Polen wurde diese Strasse neu asfaltiert, in den vergangenen Wochen neu beschildert, mit Allem was die Strassenverkehrsordnung erfordert, bis zur Grenze.

So sollte nun eigentlich, wenn alle Poliiker feiern, Präsidenten, Kanzler und Premiers feierlich gemeinsam über Grenzen schreiten, also um 00:00 Uhr am 21.12. auch hier der Verkehr rollen. Eingeschränkt vielleicht auf 3,5 to, so sagte es der Eggesiner Bürgermeister, so liest man es heute in der regionalen Tageszeitung, aber so wird es nicht sein.

D r. Ebnet wird eine Sackgasse eröffnen, in der man nur per pedes oder Rad weiter kommt. In Polen steht schon seit Tagen das Sackgassenschild und deklariert diese Strasse zum breitesten Fahrradweg Pommerns. Warum nur das?

Weil trotz aller Beteuerungen über die doch ach so gute Zusammenarbeit zwischen der „deutschen Seite“ und der „polnischen Seite“ niemand mit Polens Beitritt in das Schengenland gerechnet hat? So scheint es, denn niemand hat daran gedacht, rechtzeitig die notwendige Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Niemand hat die Bauarbeiten koordiniert oder gar abgesprochen, so dass die letzten Meter einfach noch heute unter einem grossen Sandhaufen beerdigt sind. Niemand scheint auch nur die Idee gehabt zu haben, dass hier, mitten im pommerschen Wald, seit 1991 Menschen darauf warten, eine Strasse zu benutzen, die bis 1945 Stettiner Landstrasse hiess und von Ueckermünde über Ahlbeck und Hintersee bis in die Grossstadt Stettin führte. Niemand zumindest der Verantwortung trägt und Entscheidungsgewalt hat.

Bürgermeister, Landräte, Menschen aus den Orten der Umgebung stehen Kopf schüttelnd mitten im Wald und verstehen die Welt nicht mehr. Doch noch sind es einige Stunden bis zum 21.12. 2007 00:00Uhr.

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